Stimmen

Als ich das erste Mal im Februar 2016 als freiwillige Helferin auf Lesbos war, gab es neben dem offiziellen Camp Moria ein Camp geführt von freiwilligen Helfer*innen aus aller Welt. „Better Days of Moria“ hieß es. Dort konnten die Geflüchteten essen, sie bekamen Kleidung, es gab Duschen, Ärzte und ein Haus für Kinder und ihre Mütter. Als ich das zweite Mal im April dort war, hieß es, das Camp muss schließen, weil es nicht mehr gestattet ist, freiwillige Hilfe so dicht an dem Camp zu leisten. Better Days of Moria wurde geschlossen. Das war der Anfang eines schrittweisen Abbaus der Rechte der Geflüchteten. Ich hätte nicht im Traum für möglich gehalten, wie dieser inhumane Weg fortgeführt wurde, was heute möglich ist: Dass Menschen- und Völkerrecht innerhalb Europa auf so drastische Weise gebrochen wird und Regierungen, die die eigene Bevölkerung aus aller Welt zurückholen, um sie vor Corona zu schützen, nicht in der Lage sind, eine humanitäre und solidarische Lösung für gut 42.000 Menschen zu finden. Das ist eine Bankrotterklärung, die ihresgleichen sucht! Und das ist auch nicht das Europa, in dem ich gern lebe.“

Jeannette Hagen, freie Journalistin und Aktivistin

Diese demonstrative Form staatlicher Gleichgültigkeit gegenüber einem Teil meiner Mitmenschen ist immer auch demonstrative Gleichgültigkeit gegenüber mir selbst.
Wer politische Gründe findet, so zu handeln bzw. zu unterlassen, der findet (irgendwann) auch Gründe, so mit mir umzugehen.
Menschen auf diese Weise zugrunde gehen zu lassen, das zerstört auch diejenigen, die dabei zusehen müssen. Das zerstört auch mich.

Wir haben alle nur dies eine Leben. Ob hier in Deutschland, oder dort in Griechenland, in einem Elendscamp. Holen wir die Menschen dort raus! Jetzt!

Heike Pohl, freie Journalistin und Fotografin

„Wir Deutschen, die wir genau wissen, wohin Mitleidslosigkeit führen kann, nämlich bis in die Gasöfen von Auschwitz, haben nichts aus unserer Geschichte gelernt, sondern lassen wieder einmal gnadenlos Menschen in griechischen Notlagern und an geschlossenen Grenzen verrecken. Es ist zum Kotzen.“

Niklas Frank, Journalist und Buchautor

„Ich halte es mit den Worten von Wilhelm von Humboldt: „Was kann der Mensch auf Erden Besseres tun, als zu lernen, Mensch zu sein!“

Dieter Hallervorden, Kabarettist, Schauspieler, Theaterleiter

„Steckt hinter der Tatenlosigkeit Europas die zynische Hoffnung, der Virus würde das Flüchtlingsthema lösen?! Besonders in Krisen gelten unsere Grundwerte – für Alle!“

Markus Imhoof, Filmregisseur

„Eine Krise wie Corona fordert uns, und ein Blick nach Innen ist erst mal nachvollziehbar. Allerdings dürfen wir nicht alleine nationale Nabelschau betreiben.  Wir sollten zumindest Ansätze von internationaler Solidarität hochhalten und die Menschen, die sich nicht selbst helfen können, unterstützen. Für mich gehört dazu auch, dass wir Griechenland jetzt nicht alleine lassen und über unkonventionelle Verfahren zur Aufnahme von Flüchtlingen aus den Lagern von Lesbos in Deutschland entscheiden. In der Krise zeigt sich der Charakter.“ 

Prof. Dr. Johannes Varwick, Präsident der „Gesellschaft für Sicherheitspolitik“ und Politikwissenschaftler an der Universität Halle

„Die Schutzmasken über dem Mund dürfen nicht über die Augen rutschen und und damit den Blick auf das Elend an anderen Brennpunkten der Welt verdecken. Menschenwürde gilt überall.“

Horst Kläuser, ehem. ARD-Korrespondent in Washington, Moskau und Berlin

„Ein paar Tage zuhause mit Ausgehsperre, Kontaktverbot und Homeoffice können schon an den Nerven zerren. Vor allem wenn auch noch die lieben Kleinen behütet, betreut und bespaßt werden müssen. Nun stellt Euch dieses Szenario vor, nur ohne Wohnung, ohne Entertainmentprogramm, ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen, ohne ausreichende medizinische Versorgung, zusammengepfercht in einem völlig überfüllten Zeltlager, mit vielen anderen auf kleinstem Raum und in bitterer Kälte. Geht gar nicht, oder? Genau! Deshalb müssen die Schutzsuchenden aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos so schnell wie möglich evakuiert und in Sicherheit gebracht werden! Beendet die dramatischen Zustände in Moria und holt die Menschen dort raus! Jetzt!“

Lorenz Meyer, Journalist, Autor & Satiriker

Why?

Luigi Toscano, Fotograf und Filmemacher

Ein Flüchtling ist ein Mensch, dessen Menschenrechte von einem Krieg, einer Katastrophe, einer Verfolgung etc. geraubt wurden. Er verlässt seine Heimat unfreiwillig. Die Heimat, in der so viel Graues auf engstem Raum herrscht. Alles geht zugrunde bzw. ist bereits zugrunde gegangen. Von Unordnung und Chaos haben die Flüchtlinge mittlerweile (nach all diesen Kriegsjahren) genug. Sicherheit, Geborgenheit und Verlässlichkeit zählen nun mehr als Wohlstand, Freiheit und Gerechtigkeit. Flüchtlinge sind – thematisch – bedrohlicher und gefährlicher als Altersarmut, Wohnungsnot, Mietpreisbremse, Misshandlungen in den Familien, Umweltverschmutzung, Drogenkonsum, Klimawandel, Mangel an Pflegekräften und Erziehern. Sie sind jene, die sich immer schuldig für die Fehler anderer Menschen fühlen – obgleich sie diese Menschen gar nicht kennen. Sie sind jene, die sich ständig dafür schämen, ihr Gegenüber zu begrüßen oder in dessen Gesicht zu schauen, wenn kriminelle Handlungen Einzelner mediales Aufsehen erregen; oder wenn irgendein Kokolores diesbezüglich zum Ausdruck gebracht wird. Sie sind also „ursächlich“ – sowohl im Sinne von „schuldig“ als auch im Sinne von „auslösend“. Flüchtlinge sind auch eine Quelle politischer Spannungen und menschlicher Tragödien. Der politische Jargon bezüglich Migrations- und Flüchtlingsthemen hat immens verroht. Der Rassismuspegel steigt stark. Durch Flüchtlinge ist ein postdemokratisches, neoliberales Kuddelmuddel nationaler und oligopolistischer Interessen entstanden. Entstanden sind auch neue Regierungsformen, die über das Schicksal der Menschen bestimmen. Das Sterben vieler Menschen (im Mittelmeer) reflektiert das Scheitern der Flüchtlingspolitik. Scharfe Kontrollen an den Grenzen sind nicht die Lösung. Migration zu bewerkstelligen, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die internationale Zusammenarbeit in unserer Zeit. Migration spornt das Wirtschaftswachstum an, verringert Ungleichheiten und verbindet unterschiedliche Gesellschaften und Kulturen. Ich finde es immer noch banal, wenn der Begriff „Zusammenleben“ verzerrt wird, indem manche munkeln, andere Menschen in Kategorien zu einzuteilen; oder aus dem «Wir» langsam ein «Ich» und «Du» wird. Ich musste neulich richtig darüber nachdenken, als ein Freund von mir mich fragte: Bis wann ist man eigentlich Flüchtling? Ja, ich frage mich auch, bis wann begleitet dieses sprachlich minderwertige Substantiv einen Menschen, der sich davon aber befreien will. Sie sollten daher als Menschen behandelt werden – und nicht als ein Teil eines „Stroms“, eines „Problems“, einer „Flut“, einer „Welle“ oder einer „Krise“. Und diese Begriffe müssten – meines Erachtens – nicht salonfähig sein.

Khalil Khalil, Mediengestalter und Journalist

Als ich von den Umständen auf Lesbos erfuhr, musste ich erstmal weinen. Hier sitzen die Leute rum und jammern, weil sie sich mal nicht 24/7 rumtreiben können. Bitte unterstützen Sie diese Kampagne, so gut Sie können. Diese armen Menschen brauchen wirklich ihre Unterstützung.

Martin Langer, Fotograf

Ich unterzeichne, weil es für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig ist, dass wir nicht nur an die Menschen in unserer Umgebung/in Deutschland denken, sondern auch an die diejenigen, denen es schon sehr lange noch viel schlechter geht. Dem Elend in den Lagern auf den griechischen Inseln müssen wir begegnen – Menschen für Menschlichkeit ist angesagt.

Hannelore Hunter Roßmann, Kommunalpolitikerin

Menschenwürde ist so ein schönes Wort. Wir dürfen nicht zulassen, dass es eines Tages hohl und zynisch klingt. Haltung zeigt sich nämlich nicht in Reden, sondern nur im Handeln. Also tut was!

Ramona Ambs, Journalistin und Autorin

„Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass wir die Geflüchteten aus dem Flüchtlingslager „Moria“ befreien und ihnen einen sicheren Hafen in Deutschland gewähren.“

Luigi Pantisano, Stadtrat in Stuttgart

„In der Krise, so heißt es, zeigt sich das wahre Gesicht. Beweisen wir es. JETZT!“

Peter Prange, Schriftsteller

„Ja, da mache ich gerne mit. Und zwar deshalb, weil die „Werte Europas“ auf Lesbos unmittelbar sichtbar werden. Wenn Europa den Flüchtlingen auf Lesbos hilft und sie menschenwürdig behandelt, dann behandelt sich Europa im Grunde selbst menschenwürdig. Europa ist stark genug, die Lager auf Lesbos zu räumen und die Menschen menschenwürdig unterzubringen und zu behandeln.“

Ulrich Kasparick, Parlamentarischer Staatssekretär a.D.

„Humanität darf nicht an Grenzen enden.“

Dotschy Reinhardt, Jazz-Musikerin, Autorin und Menschenrechtlerin

„Ich wünsche keiner der Personen, die diese Aufruf nicht unterzeichnen wollen, dass sie sich auch nur 24 Stunden in einem der genannten Lager aufhalten müssten. Sie würden durchdrehen. Warum lässt Europa zu, dass solche Lager überhaupt existieren?Holt die Menschen da raus und sorgt für die Schließung der Lager.“

Prof. Dr. Thomas Krämer-Badoni

„Europa muss sich entscheiden: Wollen wir die progressive, menschenrechtsorientierte Zivilisation sein, die wir in der ganzen Welt vorgeben zu sein oder werden wir uns vom Wiedererstarken des Nationalismus und staatlicher Egomanie in der Welt treiben lassen und unsere humanistischen Werte über Bord werfen?“

Orkan Özdemir, Integrations- und Fluchtpolitischer Sprecher der SPD Fraktion Berlin/Tempelhof-Schöneberg

Ranndy Frahm, Künstler

„Seit Jahren ist die humanitäre Katastrophe in den Lagern auf Lesbos und anderen Inseln bekannt. Die Bürger vieler Staaten sind bereit zu helfen. Es müssen nur endlich die Regierenden ihre menschenverachtende Hartherzigkeit ablegen.
Jetzt ist es höchste Zeit zu handeln!“

Horst Eckert, Krimiautor

„Wir müssen die menschenunwürdigen, engen Lager aufzulösen. Wenn sich aufnahmefähige EU-Staaten aus der Verantwortung stehlen, werden zivilisatorische Mindeststandards außer Kraft gesetzt. Wir brauchen Menschenrechte statt Deals.“

Klaus Nierhoff, Schauspieler

„Europa muss beweisen dass wir kein Kontinent der Schönwetter-Prinzipien sind. Die wahre Werte-Orientierung beweist sich in Zeiten der Krise. Es ist wichtig, die am wenigsten geschützten vor der Pandemie zu schützen“

Sergey Lagodinsky, Rechtsanwalt und Publizist,
Mitglied im EU-Parlament

„Unfassbar ist zu allen Zeiten, was Menschen einander antun. Aber dass dieses Europa mit seinen Rechten, Demokratien und Gesetzen seit Jahren diese Lager zulässt, Griechenland nicht hilft, zeigt, wie wenig wir Menschenwürde, Asylrecht und die immer behaupteten Werte achten. Wie leicht könnten alle Lager geräumt und die Menschen im Guten in Europa verteilt werden. Wie nötig wäre es, endlich keine Waffen mehr an kriegstreibende Systeme zu liefern.“

Dr. J. Monika Walther, Schriftstellerin

„Die Würde des Menschen ist unantastbar, steht in unserem Grundgesetz seit dem Ende der Nazidiktatur. Unsere Eltern und Großeltern leben zum Teil noch und wir sind wir schon wieder so weit, Waffen in Kriegsgebiete zu verkaufen und zuzusehen, wie deren Flüchtlinge innerhalb Europas in unwürdigen Lagern verelenden. Nicht nur Corona lehrt uns, dass Ländergrenzen längst ihren Sinn verloren haben. Es ist unsere absolute Pflicht zu helfen!“

Anne Ratte Polle, Schauspielerin

„Ich möchte in keinem Europa leben, in dem weggeschaut wird. In dem man die Augen verschließt, Ignoranz und Gleichgültigkeit walten lässt, des eigenen Wohlstands wegen, währenddessen arme, flüchtende, verzweifelte Menschen heimatlos vor unserer Grenze dahinvegetieren. Wenn Europa so etwas zulässt, wird es sterben. Wird es eingehen. Wir dürfen den Kampf um Menschlichkeit, um Humanismus und Empathie nicht verlieren. Niemals.“

Björn Casapietra, Tenor, Schauspieler, Moderator

„In Zeiten eigener Not sollten wir lernen, das Leid anderer besser zu verstehen, und nicht sagen: Ich zuerst! Nur wenn wir das schaffen, haben wir das Recht, uns Mit-Menschen zu nennen.“

Martin Kolozs, Schriftsteller

Diese Bilder zeigen den Schrecken, das Elend dort auf Lesbos. Ich war 2018 dort, nur als Touristin, mit Familie. Wir sind mehrfach auch an Moria vorbei gekommen. Es war schon damals überfüllt, traurig und unmenschlich. Wie sehr verschlimmert hat es sich bis heute? Keiner, der mal drin war, kann es sich vermutlich auch nur ansatzweise vorstellen. Und die Griechen selbst sind mittlerweile erschüttert. Aber auch tief enttäuscht, dass viele Medien wenig anerkannt haben, was sie in 6 Jahren geleistet haben. „Meine“ Hotelbesitzer waren überzeugende und überzeugte Helfer. Aber auch sie werden eine Entwicklung fordern und deshalb ist es gut, wenn sich immer mehr Menschen nicht nur um die eigene Sicherheit kümmern sondern ihren Radius auch wieder weiten: Corona in Deutschland ist dagegen eine Petitesse, auch wenn ich kein Virus klein reden will (und kann). Aber was mit den geflohenen Menschen passiert, ist ein solches Unrecht – danke Jeannette und allen, die beteiligt sind!

Elke Tonscheidt, Bloggerin ohfamoos.com

„Meine persönliche Motivation ist, dass ich lediglich Glück im Leben hatte: Ich habe vor meiner Geburt keinen Test bestanden, der mich dafür qualifiziert hat, in Mitteleuropa auf die Welt zu kommen. Es war pures Glück. Von diesem Glück gilt es, etwas zurückzugeben.“

Serkan Eren, Gründer der Hilfsorganisation STELP

„Die Corona-Krise zeigt, worum es geht: Menschenleben retten. Artikel 3 der Menschenrechte. Was gibt es dem hinzuzufügen? Allenfalls zu erinnern. An Artikel 1.“

Regina Schleheck, Schriftstellerin

In Krisenzeit leiden diejenigen am meisten, denen es sowieso schon schlecht geht. Menschen, deren Rechte, aufgrund ihrer Herkunft massiv eingeschränkt werden. Lasst uns Raum für Menschlichkeit schaffen! Solidarität mit den Menschen in Moria!

Timo Stammberger, Fotograf

Meine Mutter ist ein Flüchtling. Sie war in dem letzten Zug, der aus Ostpreußen Menschen nach Berlin brachte. In eine völlig zerbombte Stadt. Ihr ganzes Leben begleiteten sie die Erinnerungen an diese Zeit, in der es nichts zu essen gab und alle auf engstem Raum zusammenleben mussten. Noch heute hat sie Tränen in den Augen, wenn sie von diesen Erinnerungen erzählt. Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie Angst vor dem Tod haben. Lasst uns bitte wenigstens dafür sorgen, dass sie ihre Würde behalten und ihre seelischen Wunden heilen können.

Sebastian Schmidt, Unternehmer

Selbstverständlich! Unterzeichne ich gerne mit. Ich habe seinerzeit die UN-Auffanglager an der Grenze von Syrien und Jordanien besucht. Das war 2014, noch bevor wir in Deutschland das Thema Flüchtlinge auf der Agenda hatten. Die Zustände in den Lagern waren schon damals kaum zu ertragen. Die Bilder von Lesbos machen mich schier sprachlos. Und das als Journalist, der schon viel erlebt hat.

Richard Gutjahr, Moderator, Journalist und Blogger

„Wenn anlässlich der Coronavirus-Pandemie von den über 200.000 im Ausland festsitzenden Deutschen innerhalb weniger Wochen 160.000 von ihnen zurückgeholt werden konnten, dann kann die Europäische Union sich nicht verweigern, das völlig gescheiterte Flüchtlingscamp mit 22.000 Menschen auf Lesbos aufzulösen und die Menschen unter den EU-Staaten zu verteilen. Nachdem aber genau das mit Sicherheit nicht passieren wird, muss Deutschland die europäische Fackel der Solidarität alleine in die Hand nehmen und im Sinne der Menschlichkeit und der von diesem Boden heraus so gerne propagierten Menschenrechte vorleben und alle 22.000 nach Deutschland holen. Jede andere Entscheidung wird angesichts der Verbreitung der Pandemie auch auf den griechischen Inseln in einer grausamen Tragödie enden. Wegen der Krankheit und der erkennbar drohenden Lage, dass die Versorgung bald nicht mehr gewährleistet werden wird. Es sind Menschen, die dort vor aller Augen dem Ende geweiht wären.“

Cüneyt Gençer, Rechtsanwalt

„Die Lage der Menschen in den Flüchtlingslagern wird nicht weniger schlimm, nur weil wir uns derzeit mit einer anderen Krise beschäftigen – im Gegenteil, die Pandemie trifft auch diese Menschen mit voller Wucht. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich der wahre Charakter von Menschen. Wir müssen helfen, jetzt erst recht.“

Hasnain Kazim, Autor und Journalist

„Die ersten zehn Artikel der UN Menschenrechtserklärung oder die ersten zehn Artikel der Europäischen Menschenrechtskonvention – Ausdruck einer Hochkultur, der Zivilisation und Menschlichkeit, werden von den europäischen Staaten mit ihren schmutzigen Füßen getreten. Unsere (sogenannte) Wertegemeinschaft versagt seit Jahren und versagt jeden Tag aufs Neue und Abscheulichste.
Eine Gemeinschaft, in der sich mächtige Politiker an ihrem 69. Geburtstag freuen, 69 Menschen nach Afghanistan abgeschoben zu haben, ist zutiefst beschämend und macht mich traurig und wütend.
Die große Europäische Union schaut tatenlos zu, wie Menschen zwischen der Türkei und den europäischen Grenzen zerquetscht werden. Sie schaut zu, wie täglich Menschen ertrinken oder in libyschen Lagern aufs Schändlichste missbraucht und getötet werden. Diese Europäische Union will Führer der westlichen, der zivilisierten Welt sein?
Eine Europäische Union, in der hunderte Millionen Menschen, Menschen helfen wollen und nicht können, versagt fürchterlich. Eine solche politische Union ist gescheitert.
Frau von der Leyen, Frau Merkel, Herr Seehofer oder Herr Macron: strecken Sie endlich Ihre schmutzigen Hände aus und helfen Sie! Schließen Sie die fürchterlichen Menschenlager in Griechenland, in der Türkei oder in Libyen. Unternehmen Sie endlich was!“

Stefan Maier, Mensch und Geschäftsführender Gesellschafter Prior1 GmbH

„Die Corona-Krise überschattet derzeit alles andere. Aber die Realität vieler geflüchteter Menschen ist immer noch, unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern auszuharren und fernab von Rechten, die eigentlich jeder Mensch haben sollte. Wofür genau stand nochmal das „C“ in CDU? Und das „S“ in SPD? Und auf welche Werte genau ist dieses Europa nochmal stolz? Und wann genau haben wir all das Christliche, Soziale und Humane über Board geworfen, auf das wir so furchtbar stolz sind? Scham ist die einzige derzeitig angebrachte Emotion. Wir sollten uns schämen. Europa sollte sich schämen“

Jasmin Arbabian-Vogel, Unternehmerin und 
Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen

„Es geht um Menschen! We are one. Niemand ist wertvoller als ein anderer, aber einige Menschen verhalten sich wert(e)loser als es vom gesunden Menschenverstand zu vertreten wäre. Die Arroganz derjenigen, die sich anmaßen über Menschen zu urteilen – über Menschen, die alles, was sie haben, ihre Heimat, ihre Wurzeln, hinter sich lassen, die so verzweifelt sind, dass sie das Leben ihrer Kinder riskieren mit der tiefen Hoffnung im Herzen, auf eine bessere, sicherere Zukunft – ist unmenschlich und verachtenswert. Wir sind vor große Herausforderungen gestellt zur Zeit, das bedeutet aber nicht, dass wir wegsehen dürfen – gerade jetzt, wo wir den Denkzettel der Pandemie verpasst bekommen, endlich unser aller Verhalten nachhaltig zu überdenken beginnen, wo wir uns auf die zwischenmenschlichen Werte besinnen und merken, wie schnell die ganze Welt betroffen ist, weil wir eben eins sind, müssen wir auch hier ganz selbstverständlich für die Schwächeren da sein und unsere Stimme erheben.“

Chris Gust, freie Künstlerin, Autorin und Gründerin von „Mutruf“ -einander Halt geben e.V.

„Lange habe ich gedacht, es genügt, wenn ich mich voll und ganz dem Thema ‚Sustainable Finance‘ widme und so den Fluchtursachen an der Wurzel entgegenwirke. Auch, weil ich die Bilder und das Leid der Menschen auf der Flucht und in den Lagern kaum aushalte. Doch kann ich als mitfühlender Mensch in der aktuellen Situation wirklich schweigen und so tun, als ginge es mich nichts an?! …. ich glaube nicht!!! Das Mindeste, was ich tun kann, ist meine Stimme zu erheben und an die Verantwortlichen zu appellieren, der Koalition der Willigen endlich die Möglichkeit zu geben, diesem Elend ein Ende zu setzen.“

Silke Hohmuth, Gründerin der Initiative Menschbank

„Wir leben in sehr außergewöhnlichen Zeiten, die verunsichern und beängstigen. So leben die Geflüchteten auf Lesbos bereits seit Monaten – in einer Ausnahmesituation. Wenn die Politik jetzt nicht handelt und Menschen in Not auf europäische Länder verteilt, dann ereilt uns in Europa womöglich ein humanitäres Desaster. Gerade jetzt sollte Europa seine Handlungsfähigkeit beweisen und entgegen der nationalen Alleingänge in Bezug auf die Coronakrise Pragmatismus, Menschlichkeit und Zusammenhalt zeigen.“

Shai Hoffmann, Aktivist und Sozialunternehmer

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